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Im Jahre 1808 erklärte das englische Landwirtschaftsministerium: "Wenn die Naturalisierung der Kaschmirziegen gelingen würde, wäre das für unsere Hersteller vorteilhafter als die Eroberung des Goldenen Vlies".
Warum so vorteilhaft? Weil die Weber von Norwich, Edimburgh, Paisley sich seit langem bemühten, die Schals zu imitieren, die das militärische und Zivilpersonal der Ostindischen Kompanie den Geliebten als Geschenk mit nach Hause brachten. Die in Nordindien hergestellten Schals mit dem Motiv der Palmensprossen waren ein sehr gefragtes Objekt der kontinentalen Mode.
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Die englischen Imitationen waren perfekt, aber die Weichheit der indischen Schals blieb unvergleichbar. "Diese Überlegenheit, die ein objektiver Prüfer zugeben muss – schrieb William Moorcroft, ein junger Chirurg und Tierarzt – ist auf die größere Weichheit der Wolle der Ziegen zurückzuführen…"
Die englische Textilindustrie hatte Bedarf an sehr feiner Kaschmirwolle und so erhielt Moorcroft im Jahre 1812 von der Ostindischen Kompanie die Erlaubnis, eine Spedition in den Tibet zu leiten. Bei der Rückkehr nahm er 50 Ziegen mit aufs Schiff. Die Herde wurde jedoch getrennt und das Schiff, auf dem sich die weiblichen Ziegen befanden, erlitt Schiffbruch. England erreichten nur wenige, übel zugerichtete Exemplare. In Blaire, auf den schottischen Besitz des Herzogs Atholl, überlebten nur vier für wenige Monate.
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Die Naturalisierung der Kaschmirziegen erwies sich als ein Reinfall, aber das Experiment wurde vier Jahre später wiederholt. Dieses Mal versuchten die in der Zwischenzeit den europäischen Markt der Schals dominierenden französischen Spinner den Weg des Imports.
Guillaume Ternaux, der die Schwierigkeiten in der Beschaffung des Rohstoffs über Russland leid war, finanzierte eine Spedition in den Orient. Von den 1289 von den Kirgisen gekauften Ziegen überlebten jedoch nur vierhundert und in dem milden Klima Frankreichs produzierten sie keine ausreichende Menge Unterhaar. Sie wurden später mit anderen Rassen gekreuzt!
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Die Mode der Schals aus Kaschmir, die in England und Frankreich eine richtige Industrie ins Leben gerufen hatte, endete mit dem Auslauf des Jahrhunderts, nicht hingegen der Reiz der Kaschmirwolle; im Gegenteil, diese wurde in den Zwanzigerjahren wieder ganz große Mode und dieses Mal als Kaschmirfaser, nicht mehr gebunden an das Kaschmir-Design. Die Trennung hatte stattgefunden.
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Im Jahre 1980 ging das Angebot zurück, die Nachfrage stieg und die Engländer taten recht daran, die Produktion in anderen Teilen der Welt zu entwickeln.
Ein bedeutender europäischer Hersteller, seinerzeit dominierend auf diesem Gebiet, kaufte 1250 ha Land in New South Wales, Australien, und richtete dort eine Versuchszucht ein. Dem Beispiel wurde schnell in Neuseeland und Schottland gefolgt.
Die Aussichten der Züchter waren gut, man rechnete mit ca. 14 Millionen australischen Kaschmirziegen, einer Produktion von 3000 Tonnen pro Jahr und einem nicht mehr von den chinesischen Lieferungen abhängigen Markt.
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Es vergingen zehn Jahre vom Beginn des Experiments und die Erwartungen mussten drastisch zurückgeschraubt werden. Die Produktion stabilisierte sich auf ca. 150 Tonnen im Vergleich zu den vorgesehenen 3000 aber das Schlimmere war, dass die Qualität der Faser in keiner Weise mit der wertvollen asiatischen Kaschmirfaser zu vergleichen war.
Das Klima und die üppigen Weiden Australiens machten es nicht möglich, die gewünschte Haarqualität zu erreichen. Die Möglichkeit einer Ausdehnung der Zuchten in Australien wurde noch dadurch erschwert, dass das Kaschmirhaar hier nicht nach dem klassischen chinesischen System gekämmt wurde sondern, wie auch heute noch, geschoren.
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Das Resultat ist ein Gemisch, in dem die groben Fasern ca. 80-85% der Fasermasse darstellen, während beim chinesischen Kaschmir der Prozentsatz bei ca. 30-50% liegt; dies hat eine geringere Ausbeute zur Folge und somit einen höheren Preis der Enderzeugnisse. Versuche in Bezug auf die Anpassung der Kaschmirziegen werden mehr oder weniger überall vorgenommen, auch in Italien. In den ersten 90iger Jahren wurde ein Experiment dieser Art in Zusammenarbeit mit dem CNR in Valtellina vorgenommen.
Die Zucht von Kaschmirziegen erfolgt auch in Texas und in Wyoming, aber die von den Züchtern erreichte Faserqualität liegt, wie sie selbst zugeben, weit unter der asiatischen. Im speziellen Fall der amerikanischen Zuchten liegt de Länge der Kaschmirfaser zwischen 22 und 28 mm mit einer Feinheit, die bestenfalls bei 19 Mikron liegt.
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Hier muss herausgestellt werden, dass alle Ziegenrassen das daunenartige Unterfell (Duvet) haben und theoretisch die gewünschte Faser liefern können; leider machen die geringe Ausbeute und folglich die Verarbeitungskosten, neben der schlechten Qualität der erhaltenen Faser, eine Nutzung der Herden außerhalb der asiatischen Länder nicht möglich.
Im Laufe der Zeit sind viele Versuche gemacht worden und werden auch heute noch gemacht, aber die Kaschmirfaser kann nicht in Europa hergestellt werden und auch nicht in den Vereinigten Staaten, da die zu reichen und zu üppigen Weiden und das zu milde Klima bei uns eine geringere Faserqualität zur Folge haben. In den Ursprungsländern hingegen ist die Vegetation spärlich, die Weiden sind arm, das Klima rau, unter diesen Bedingungen entwickeln sich die besten Fasern der Welt.
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